Benjamin Hickethier am: 17. Jan 2007
Es wäre vielleicht noch zu ergänzen, dass Berthold, als GGL an der AG arbeitete, im gleichen Häuserblock seinen Sitz hatte, in dem jetzt der FontShop und FSI residieren: Das Gebäude der Berthold AG liegt an der Gneisenaustraße 2a in Kreuzberg.
http://www.mehringhof.de/image/mh1.jpg
Im Dezember 1979, also nur wenige Jahre nachdem die Arbeiten an der AG abgeschlossen waren, verkaufte Berthold den riesigen Hofkomplex an die neugegründete ›Mehringhof AG‹, ein Sammelsurium verschiedener Initiativen und Gruppen aus der linksradikal-undogmatisch-alternativen Szene zwischen Tunix und Tuwat, u.a. die Schule für Erwachsenenbildung, das Netzwerk Selbsthilfe, Stattbuch, Gesundheitsladen, der Verlag Ästhetik und Kommunikation und ›Mixed Media‹, sowie die nach kurzer Zeit legendäre Kneipe Spectrum (später ›Ex‹, jetzt ›Clash‹).
Der Mehringhof besteht noch immer als vielleicht größtes alternatives Zentrum in Deutschland, trotz unzähliger Razzien (auf der Suche nach ›Terroristen‹ und anderem) und all der Jahre und gesellschaftlichen Entwicklungen die ins Land gegangen sind.
Im Mehringhof sind ausser der meisten der Gründungsinitiativen heute das Mehringhoftheater (die berühmte ›FIL und Sharkey‹-Show), Ökotopia, der sehr gute Buchladen ›Schwarze Risse‹, Fahrradladen u.v.a.m.
Ein Besuch lohnt! Vor allem weil man bei der Gelegenheit Jürgen Hallo sagen kann, wenn man in die Bergmannstraße spaziert.
Achtung Nerds: Am MH-Gebäude ist immer noch das alte Berthold-Firmenschild angebracht! (Nicht in Akzidenz Grotesk)
Florian am: 19. Jan 2007
Was hat es eigentlich mit den OldStyle Figures und Small Caps auf sich, die es nur beim Light-Schnitt gibt?
Erik am: 19. Jan 2007
»Was hat es eigentlich mit den OldStyle Figures und Small Caps auf sich, die es nur beim Light-Schnitt gibt?«
Die OsF hatte ich mitte der 80er jahre für die Berthold-internen geschäftspapiere gemacht – briefbogen und formulare. Wir machten damals ja das komplette corporate design von Berthold neu, und die AG mager mit den ziffern war nur für den internen gebrauch. Irgendwie ist dann diese schrift an Adobe lizenziert worden und niemand hat sich darum gekümmert, die ziffern auch für den rest der familien zu machen.
Jürgen am: 25. Jan 2007
Ich habe eben den Hinweis auf diese Flickr-Fotosammlung bekommen:
http://www.flickr.com/photos/triborough/sets/72157594441672864/
24 Fotos vom Styleguide der New Yorker Nahverkehrsbetriebe, zirka 1970 gestaltet von Massimo Vignelli mit der Akzidenz Grotesk.
Amber am: 6. Feb 2007
Warum gibt es die Akzidenz Grotesk nicht bei Fontshop?
Jürgen am: 6. Feb 2007
FontShop hat keinen Distributionsvertrag mit dem Herausgeber der Akzidenz Grotesk, der Berthold Direct Corp.
Stephan am: 7. Feb 2007
Ich bin ein wenig verwirrt darüber, dass Linotype eine Kopie der Akzidenz Grotesk unter dem Namen Basic Commercial vertreibt bzw. überhaupt vertreiben darf. Auf ihrer Website heißt es: »It first appeared around 1900, and was created by type designers whose names have not been recorded but whose skills cannot be overlooked.« Ich finde so etwas schon ein wenig anmaßend. Gibt es dazu nähere Infos? Ausserdem zeigt Linotype ein Anwendungsbeispiel der Basic Commercial in Form einer Anzeige der Credit Suisse. Soweit ich informiert bin, benutzt die Credit Suisse doch die Akzidenz Grotek als Hausschrift, oder liege ich da falsch? Könnte jemand meine Verwirrung entwirren?
Thierry Blancpain am: 7. Feb 2007
die credit suisse benützt ganz bestimmt die AG als hausschrift.
Jürgen am: 7. Feb 2007
Soweit ich die Hintergründe kennen: Linotype hat nicht die Namensrechte für Akzidenz Grotesk, weil diese mit dem Verkauf der Berhold-Schriftbibliothek in amerikanischen Besitz gegangen sind. Die jahrzehntealten Rechte an den Zeichenformen, einst offiziell lizenziert, sind davon nicht berührt. Anders herum: Linotype bietet immer noch die gleiche Schrift an, darf sie aber nicht mehr AG nennen.
Bloo am: 7. Feb 2007
@Jürgen: Wie konnten dann in so einem Fall (FontShop führt Schrift nicht) die Verkaufszahlen mit in die Bewertung einfließen?
Jürgen am: 7. Feb 2007
Wir haben ja nicht nur die eigenen Verkaufszahlen zugrunde gelegt, sondern auch die Charts anderer Schriftenhäuser angeschaut. Und wenn dort die AG Spitzenplätze einnimmt, so musste das berücksichtigt werden.
Tobias Battenberg am: 22. Aug 2007
Die „Akzidenz Grotesk“ gilt unter Schriftkennern als eine Charakterschrift, die viel aushält. Dieser Behauptung wollte ich auf den Grund gehen und die Schrift in Situationen bringen, in denen sie sich noch nicht behaupten musste.
Mit einem Videoprojektor (Beamer) wurden Zeichen der Akzidenz Grotesk auf verschiedene Gebäude und Gegenstände in der Stadt gebeamt, und die Projektionen fotografisch festgehalten. Kriterien die zur Wahl der einzelnen Gebäude und Einzelbuchstaben definiert wurden waren u.a. die Größe, bzw. Dimension, die die neue Bildwelt zum normalen DIN A4 Blatt unterscheidet, die Möglichkeiten mit Perspektiven zu spielen und die Wahl der Kameraposition um Brüche und andere Effekte erzeugen zu können.
Das Augenmerk wurde besonders darauf gelegt, wie die Schrift danach drängt ihren eigenen Charakter in der Umgebungssituation durchzusetzen. Dies hat sie mit beeindruckender Stärke bewiesen, wie ich schnell feststellen durfte. Die entstandenen Bildwelten sind in der Lage die Realitätsvorstellungen des Betrachters zu sprengen, sie sind, wie der Schriftname selbst, grotesk. Dies sind ganz wundervolle Erkenntnisse aus diesem Typoexperiment.
Die entstanden Bilder sind in einem gehefteten Magazin gesammelt, welches auf der letzten Seite noch durch ein integriertes Satzmusterplakat bereichert wurde. Das Heft kann an der Rückseite des Umschlags aufgehangen werden, dadurch ist eine Bildprojektion und das Plakat als Streifen als Wandbild nutzbar.
Tobias Battenberg
http://www.pixelgraphik.de
PDF: http://pixelgraphik.de/akzidenz/Akzidenz-Grotesk-Magazin-Web-Tobias-Battenberg.pdf
Adrian am: 27. Aug 2008
BEST.
TYPEFACE.
EVER.
Adrian am: 27. Aug 2008
BEST
TYPEFACE
EVER.
martin am: 9. Jan 2009
die beste, auch in meinen augen.